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Nach dem Ende der Sowjetunion wurde durch einen Paradigmenwechsel im wissenschaftlichen Bereich eine Umorientierung vieler einheimischer Kryptographen und Mathematiker vorangetrieben – wer gestern noch Zahlen für Mütterchen Russland wälzte, programmierte heute bereits Rechner im Namen der Wissenschaft. Neben Faszination für Technik in Kombination mit gut ausgebildeten Fachkräften bot diese Mischung auch fruchtbaren Boden für kriminelle Energie auf der Suche nach schnellem Geld.
Dass die jüngste Generation an IT-Profis aus Russland von den kriminellen Machenschaften ihrer Vorgänger gelernt hat und noch einmal besser geworden ist, zeigen neueste Berichte. Die Rede ist dabei von Trojanern, die für tausende von Dollar im Internet über professionelle Netzwerke und Vermittler vertrieben werden – branchenüblich sind hier sogar variierende Preise je nach Land, in dem der Virus Anwendung finden soll. Es gibt in der Internetpiraterie alles, angefangen bei Spam-Mails, die bis heute noch unglaubliche Summen umsetzen, bis hin zu Programmen, die auf das Internetbanking von Privatpersonen Einfluss nehmen können. Der Kunde generiert durch einen ungewollten Klick auf der anderen Seite der Welt Geld für eine unbekannt Firma oder sieht sich beim Internetbanking auf einmal vor einem schwarzen Bildschirm und zwei Minuten später jeglicher finanzieller Mittel von seinem Konto beraubt. Neben den willkürlichen Aktionen gegen Privatpersonen knüpfen sich die netzkriminellen Russen auch gezielt Politiker, Blogger oder Organisationen des öffentlichen Lebens vor. Die Schäden sind nach Ansicht einiger Experten bereits jetzt unkalkulierbar.
Ein Geben und Nehmen, denn das Land der Internetkriminalität ist gleichzeitig auch führender Bekämpfer der Plage. So ist es kein Zufall, dass das Antivirenprogramm Kaspersky, ein wahrer Exportschlager, von russischen Sicherheitsfachleuten entwickelt und vertrieben wird, und eben jenen Problemen Herr zu werden versucht.
